Der Bescheidwisser

Stufen, Steine, Steilküste – ein Bericht vom Madeira Island Ultra-Trail 2017

Posted in Spocht by bescheidwisser on 5. Mai 2017

Es gibt Tage, an denen fügen sich tausend kleine Dinge wie die Farbtupfer eines impressionistischen Gemäldes. Der 22. April war so ein Gemälde, wer auch immer es gemalt haben mag. Ich war es jedenfalls nicht, ich bin einfach nur die ganze Zeit gerannt, fast rund um die Uhr, von der Nordspitze Madeiras bis zum Südende, in einer aberwitzigen, verschlungenen Route über fantastische Trails, 115 Kilometer weit, insgesamt 7200 Meter hoch und runter. Furchterregende Zahlen für einen Ultratrail-Anfänger wie mich, und sie sagen noch nicht die ganze Wahrheit über den Madeira Island Ultra-Trail, kurz MIUT (sprich »Mjut«). Die Strecke, die sich über die 57 Kilometer lange Atlantikinsel windet, ist nicht nur lang und bergig, sondern auch holprig, glitschig, tückisch, sakrisch steil – und vor allem stufig. Erdstufen, Holzstufen, Steinstufen, Betonstufen, Stahlstufen. Kniehohe Stufen, handbreithohe Stufen. Kurze Trippelstufen, lange Weitspringerstufen. Es ist kein Zufall, dass Madeira so vor Treppen wimmelt. Die Insel ist die Spitze eines 5000 Meter hohen Vulkans, der auf dem Meeresgrund steht, ein einziges Bergmassiv, dessen Hänge durch den anstürmenden Passat und die Meeresbrandung zu so großer Steilheit erodiert sind, dass viele Wege ohne Treppen gar nicht gangbar wären. Das launische Wetter macht es nicht einfacher. Von subtropischem Dampfbad bis Schneesturm ist alles drin. Anspruchsvolles Laufterrain also, aber es lohnt sich. Die Kombination von Meer und Bergen ist sowieso immer ein Kracher. Wenn es kein geringeres Meer als der Atlantik ist, 400 Meter hohe Steilküsten und fast 2000 Meter hohe Vulkanstein-Türme, dazu eine Vielfalt der Vegetation von Dschungel über Savanne bis Tundra, dann darf man wirklich von einem Paradies sprechen.

Die Geschichte meines MIUTs begann im Herbst 2016, als meine Frau und ich den gemeinsamen Wunsch verspürten, nach fünf Jahren mal wieder Urlaub ohne Kinder (wir haben vier) zu machen. Laufen kam in unseren Überlegungen zunächst nicht vor, aber irgendwie, auf verschlungenen Wegen, kamen wir auf Madeira Ende April – ach schau, da ist dort gerade ein Lauf, sieht interessant aus, und unversehens war ich angemeldet. Erst später dämmerte mir, worauf ich mich da eingelassen hatte, und dass ich nur mit einem trainingsreichen Winter überhaupt eine Chance haben würde, das zu schaffen. Wintertraining ist meine Sache nun mal nicht. Erstmals in meinem Läuferleben schrieb ich mir einen Trainingsplan (nach Sage Canaday), wurde gleich nach anderthalb Wochen krank und ließ ihn wieder sausen. Ohne Plan ging es besser, allerdings folgten weitere Krankheits- und Verletzungspausen, die letzte eine Woche vor Madeira mit heftiger Magen-Darm-Infektion. Ich fühlte mich gerade eben so ausreichend trainiert für den MIUT.

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Ruhe vor dem Sturm

Der MIUT startet am Samstag um 0 Uhr. Wir landeten drei Tage vorher auf Madeira. Ich hatte mir vorgenommen, unsere Zweisamkeit möglichst ungestört von der bevorstehenden sportlichen Aufgabe zu halten. Bis zum Freitag klappte das ganz gut, dann aber stieg das Rennfieber. Es ist ein seltsamer Zustand an solch einem Tag. Irgendwann hält man es auf der Liege am Pool nicht mehr aus, die Ausrüstung ist zum x-ten Mal gecheckt und es sind noch zehn Stunden bis zum Mitternachtsstart. Wir machten eine kleine Levada-Wanderung – und sahen alle paar Meter Markierungsbänder. Zufällig waren wir auf die Strecke des kürzeren »Ultra« (85 km) geraten. An diesem Tag gab es kein Entkommen vor der Lauferei.

Seit 2008 gibt es den MIUT, und für die meiste Zeit war er eine ziemlich familiäre Veranstaltung. Neuerdings aber gehört er zur Ultra Trail World Tour mit ihrem ganzen Kommerzzirkus. Die halbe Weltspitze ist am Start, die Zahl der Teilnehmer wächst von Jahr zu Jahr. Diesmal waren es rund 850 Läufer auf der langen Strecke, dazu deutlich mehr als nochmal so viele auf den drei kürzeren Distanzen, die später auf die lange Route einscheren und alle dasselbe Ziel an der Strandpromenade von Machico am Ostende von Madeira haben. Könnte voll werden auf der Strecke, dachte ich mir, jedenfalls voller als auf den anderthalb Ultratrails, die ich bis dahin gelaufen war (wetterbedingt verkürzter Zugspitz Supertrail XL und Chiemgauer 100 Kilometer im Jahr 2015). Nun kommt auf jeder solchen Strecke nach dem Start der Punkt, an dem sie von der breiten Straße auf den engen Trail übergeht. Staugefahr! Beim MIUT kommt diese Engstelle nach drei Kilometern, auf der ersten Anhöhe von gut 300 vertikalen Metern. Im Rückblick nahm ich sie wohl zu wichtig, jedenfalls wollte ich nicht an ihr hängenbleiben und fasste den Plan, mich vorn in der Startaufstellung zu platzieren – entgegen der Mahnung, die Ultra-Rookies immer wieder hören, nämlich zurückhaltend zu starten.

Ich stehe also viel zu weit vorn im mehr als 800 Läufer starken Starterfeld, kurz hinter dem abgetrennten Bereich für die Eliteläufer. Die schnellen Männer und Frauen brettern los wie bei einem Dorflauf, und ich mit ihnen. Nach ein paar hundert Metern schaue ich auf die GPS-Uhr: Tempo 3:45/min. Wenn ich jetzt nicht meine 10-Kilometer-Bestzeit aufstellen will, sollte ich vom Gas gehen. Da stellt sich die Straße vor uns auf, das Tempo sinkt etwas, die Anstrengung aber kaum – aber irgendwie gelingt es mir nicht, mich zu bremsen. Den ganzen ersten Anstieg bleibt das Führungsfahrzeug, hinter dem François d’Haene, Pau Capell, Gediminas Grinius, Xavier Thevenard, Sébastien Chaigneau und die anderen Stars herhetzen, in Sichtweite. Dann kommt besagter Flaschenhals von der Straße zum Trail – und es zeigt sich, dass ich zwar glatt durch die Engstelle komme, nun aber selbst zur Engstelle werde. Die Könner fliegen den Downhill runter, im Vergleich dazu schleiche ich, auch wenn ich für meine Verhältnisse weiterhin rasant unterwegs sind. Bei erster Gelegenheit schießt Andrea Huser an mir vorbei, die spätere Frauensiegerin. Ich habe sie bestimmt eine halbe Minute gekostet.

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Viel zu weit vorn!

Am Fuß des ersten Downhills liegt das Dorf Ribeira da Janela. Dort tobt eine wahre Fiesta. Musik, Glockengebimmel, Jubelgeschrei, alle Kinder sind noch wach. Die Menge bildet ein enges Spalier für die Läufer, man wird angefeuert und ge-high-five-ed und fühlt sich ein bisschen wie ein Tour-de-France-Fahrer am Galibier. Ein wohliger Schauer durchläuft mich. Diese Atmosphäre ist nicht geeignet, mich einzubremsen.

Dann der erste lange Anstieg, 1100 Höhenmeter nach Fanal. Ich bin weiterhin viel zu schnell, aber es ist nicht mehr so frustrierend. Bergauf kann ich mithalten – noch. Als ich an der ersten Verpflegung in Fanal ankomme, spielt sich dort gerade ein kleines Drama ab. Einer der madeirischen Lokalfavoriten liegt am Boden und weint bitterlich. Aus für mich nicht erkennbaren Gründen ist das Rennen für ihn hier bereits beendet. Läufer und Helfer halten eine Minute inne, um ihm Trost zuzuklatschen, dann ging die Jagd weiter. Zu denken gibt mir, dass ich dort in Fanal auch Tom Wagner vom Team Salomon an einem Orangenschnitz lutschen sehe, den ich als überragenden Sieger der Chiemgauer 100 Meilen 2015 kenne. Wenn man als Rookie nach knapp zwei Stunden noch gleichauf mit solch einem Crack liegt, dann weiß man, es wäre unbedingt schlau, jetzt das Tempo zu drosseln, bevor man völlig verbrennt und mit leeren Tanks liegenbleibt. Das tue ich nun auch und stürze mich etwas bedächtiger in den Downhill nach Chão da Ribeira, der laut Rennberichten der technischste der ganzen Strecke sein soll. Er ist steil, glitschig, stufig und wurzelig. Ich gerate mit beiden Füßen in tiefen Schlamm, bin genervt und schalte ganz von selbst einen Gang runter. Auf einem flachen Transferstück nehme ich wieder Fahrt auf, in einer Gruppe von vier Läufern. Hinter mir ein dumpfer Schlag und ein Stöhnen, mein Hintermann ist hingeflogen. Kurzer Stopp, ist er verletzt? Er verneint. Zu dritt geht es weiter, wenig später stolpere auch ich, kann mich aber gerade noch auf den Beinen halten. Ich beschließe, allein und vorsichtiger weiterzulaufen, lege eine Pinkelpause ein und lasse die anderen beiden ziehen.

Zwei weitere Anstiege sind in dieser Nacht zu bewältigen, nach Estanquinhos und nach Encumeada, ich steige gut, spüre aber inzwischen deutlich, dass ich viel zu schnell angegangen bin. Ab der Verpflegung in Encumeada werde ich defensiv laufen, beschließe ich. Dort soll meine Frau auf mich warten. Ich bin viel zu früh da, aber die Liebste ist aufmerksam, hat die Zwischenzeiten gesehen (der Telegram-Bot der Rennorganisation ist super), ist ebenfalls früher da und kümmert sich großartig um mich.

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Treppen, Treppen, Treppen

Bald nach Encumeada kommt der härteste der vielen harten Anstiege dieses Parcours: gut 200 Höhenmeter auf 400 Metern Distanz entlang eines Wasserrohrs. Macht 50 Prozent Durchschnittssteigung – mit vollem Magen nach der Verpflegung gerade eben. Eine ächzende, fluchende, wankende Karawane kämpft sich die unregelmäßigen Stufen empor. Manche bleiben buchstäblich stehen. Mir zieht es erst ein paar Kilometer später den Stecker, im wunderschönen Abschnitt an den Flanken des Pico Grande. Ich lege eine ungeplante Pause ein, setze mich an den Wegesrand, um mich zu sortieren, schließe meine GPS-Uhr zum Nachladen an den Akku an. Ein paar Läufer, die am Wasserrohr langsamer waren, passieren mich, einer haut mir aufmunternd auf die Schulter, ruft mir irgendwas in einer romanischen Sprache zu und filmt mich ausgerechnet an diesem absoluten Tiefpunkt meines Rennens, siehe https://youtu.be/fzIhUtXqSSE bei 3:15.

Nach fünf Minuten mentalen Sammelns ist der Einbruch einigermaßen überwunden. Ich kann ein paar Läufer einholen, die während jener Minuten vorbeigezogen waren. Die steinigen Serpentinen hinab nach Curral das Freiras nehme ich bedächtig, ich will nicht gleich das nächste Tief provozieren. Der Führende und spätere Sieger der 85-km-Strecke, der Franzose Antoine Guillon, springt elegant an mir vorbei, er hat einen Verfolger auf den Fersen, der jedoch zwei Kehren über mir einen kapitalen Sturz hinlegt. Eine kleine Gerölllawine poltert auf mich zu, ich muss sprinten, um ihr zu entgehen, da kommt auch schon der Gestürzte dahergerannt.

Die Station in Curral das Freiras liegt auf halber Strecke. Die Dropbags liegen bereit, es gibt das größte Buffet des Tages, und ich greife zu: Reis mit Hackfleisch, Kuchen, Schokolade, Chips, Cola – alles, was kickt und Kalorien hat. Mein Magen nimmt es dankbar in Empfang. Überhaupt schlägt er sich großartig an diesem Tag, der auch für ihn einer der härtesten sein muss. Dazu mag beitragen, dass ich dem oft gehörten Rat gefolgt bin, rechtzeitig mit dem Essen zu beginnen. Schon nach einer Stunde habe ich mir das erste von ungezählten Gels reingezischt. So kommt der Magen gar nicht darauf, den Betrieb einzustellen.

Hinter Curral das Freiras wartet der längste Anstieg der Strecke, 1200 Höhenmeter auf den Pico Ruivo. Beim Verlassen der Station wird die Pflichtausrüstung kontrolliert, und der mitgeführte Wasservorrat. Die subtropische Sonne brennt auf den Pfad, der sich mit Südexposition emporwindet. An einer Wasserstelle kurz nach der Station fülle ich schon wieder nach – gute Entscheidung, denn ich auch so werde ich mit leeren Tanks und Durst in der Hütte am Gipfel einlaufen. Auf dem Weg dorthin überhole ich eine ganze Reihe leidender Gestalten – lange Uphills sind mein Terrain. Auf dem nächsten langen Downhill werden mich allerdings viele von ihnen wieder kriegen.

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Zu Beginn der Aufstiegs zum Pico Ruivo

Der Weg zwischen dem Pico Ruivo und dem Pico do Arieiro ist das berühmteste Stück des MIUT und der ikonische Wanderweg auf Madeira schlechthin. Wer den wilden Grat zwischen den Gipfeln aus der Ferne sieht, fragt sich, wie dort entlang überhaupt ein Weg führen kann. Auf den Videos vom MIUT 2016 sieht es so einfach aus, wie Zach Miller über diesen spektakulären Abschnitt stürmt. Und so trifft es mich als Schock, wie schwierig diese Strecke ist. Mörderisch steile Treppen hoch und runter, man muss unter Überhängen durchtauchen, sich an Felswänden vorbeizwängen, durch mehrere dunkle Tunnels tasten. Noch dazu ist der Weg bevölkert mit Touristen, die sich glücklicherweise überwiegend freundlich und rücksichtsvoll gegenüber den Ultraläufern zeigen. Von der Schönheit dieses Abschnitts habe ich kaum noch was in Erinnerung. Demoralisiert erreiche ich den Pico do Arieiro, wo ein jubelndes Publikum die Läufer empfängt. Meine Frau allerdings, auf die ich mich gefreut hatte, suche ich vergeblich. Sie hat sich verfahren, wir sehen uns erst 1000 Meter tiefer in Ribeiro Frio wieder. Ich eiere diesen längsten Downhill des Tages nur so hinunter. Die Beine fühlen sich an wie Dosenspargel. Aber das ist mir inzwischen gleichgültig. Die größten Schwierigkeiten sind geschafft – fast: noch ein grausamer 300-Meter-Anstieg, der auf dem Höhenprofil viel niedlicher aussah. Relativ zu meinen Mitläufern kann ich wieder beschleunigen, aber jetzt spielt sich alles wie in Zeitlupe ab. Die Stufen sind so hoch, dass Läufer mit kürzeren Beinen sich enorm quälen müssen, um sich überhaupt hinauf zu wuchten. Eine portugiesische Läuferin steht am Rand und signalisiert mir mit einer Geste: Nichts geht mehr.

Am Checkpoint in Portela, bei Kilometer 98, treffe ich meine Frau zum letzten Mal vor dem Ziel. Nun geht es mir wirklich nicht mehr gut, wieder bleibe ich viel zu lang sitzen. Meine Frau begleitet mich auf den ersten Metern aus der Station, sie ist schneller als ich auf meinen schmerzenden Beine. Aber ich schwöre: Nachdem sie zum Auto abgebogen ist, werde ich schneller. Im Laufschritt – was in diesem Stadium ein Tempo von sieben Minuten pro Kilometer bedeutet – nehme ich den ebenen Forstweg, vorbei an ein paar entkräfteten Gestalten. Dann kommt der ruppige Downhill die Steilküste hinunter nach Larano, und es ist vorbei mit dem Laufschritt. Egal, nur bloß nicht doch noch hinfliegen. In Larano ist Party, Eminem rappt aus dem Lautsprecher, eine fürsorgliche Helferin bringt mir einen Kaffee »with lots of sugar«. Nur noch zwölf Kilometer! Die ersten davon auf einem fantastischen Trail entlang einer der höchsten Steilküsten der Welt. Leicht wellig geht es dahin, links bricht das Gelände jäh zum Meer ab, ich dränge die Vorstellung eines unglücklichen Sturzes aus meinem Bewusstsein. Es dämmert, die Stirnlampen gehen wieder an, eine Kette von Lichtern zieht sich durch die Steilküste in die einbrechende Dunkelheit. Ein geradezu magischer Moment, den ich sogar genießen kann. Ich finde einen neuen Rhythmus, ein paar Minuten laufen, kurz gehen, wieder laufen. Ich spüre den Sog des nahenden Ziels.

Nach einem kleinen Buckel ein letzter technischer Downhill, nicht steil, aber steinig und stolprig. Ich überhole! Im Downhill! Am letzten Checkpoint in Ribeira Seca zeigt ein Schild an: 4,3 Kilometer bis zum Ziel. Eine gefühlte Ewigkeit geht es einen schmalen Levada-Weg entlang, links der Wasserlauf, rechts ein dunkler Abgrund. Ich stürme voran, zumindest im Vergleich zu manch anderen, die nur noch wandern. Der beleuchtete Zielbogen auf der Promenade von Machico kommt in Sicht, gut 200 Meter tiefer, der Jubel der Zuschauer dringt herauf, es gibt kein Halten mehr. Nur noch einen Wiesenhang runter, ein paar hundert Meter Straße, eine allerletzte Treppe. Ich bin so fertig, dass die Zuschauer mich in den Zielkanal lotsen müssen. Mit 24 Stunden hatte ich gerechnet. Von 23 Stunden hatte ich geträumt. 22:37:57 steht auf der Uhr. Platz 22 von 109 in meiner Kategorie. Ich bin glücklich.

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Im Ziel

Beim Duschen muss meine Frau Wache stehen, damit ich nicht einschlafe. Die Muskulatur in den Beinen und im Rücken ist zermartert, meine rechte Ferse, der Schwachpunkt meines Bewegungsapparats, brennt bei jedem Schritt. Aber die physische Zerstörung ist geringer als befürchtet. Nach ein paar Tagen bin ich weitgehend erholt, nach einer Woche laufe ich wieder gemessenen Schrittes durch die Südtiroler Berge. Nach zwei Wochen habe ich das Gefühl, dass der MIUT mich stärker gemacht hat.

Schließlich noch ein autodidaktischer Exkurs: Was kann ich verbessern? Vor allem drei Dinge. Erstens, kontrollierter Start. Ein paar Minuten, die man vorne rausholt, können Stunden bedeuten, die man hinten verliert. Zweitens, kürzer rumhängen an den Verpflegungsstationen. Die Verlockung ist groß, noch ein paar Minuten sitzenzubleiben und zu jammern. Bringt aber nichts außer noch steiferen Beinen. Ich habe ausgerechnet, dass ich an den Stationen unterm Strich deutlich mehr als eine Stunde verprokranistiniert habe. Drittens: mehr Tempo bergab. »Du musst dir vertrauen«, sagte der Sieger François d’Haene nach dem Rennen in einem Interview zum Bergablaufen. Also, etwas mehr Mut und Lockerheit, das bringt Zeitgewinn und auch mehr Spaß. Mag sein, dass ich dann auch mal hinfliege, aber dieses Risiko ist dosierbar.

Tobias Hürter

Ausrüstung:
Schuhe Inov-8 Trailtalon 275 Chill, eine Größe größer. Haben sich bestens bewährt, kein Schuhwechsel nötig, keine Blasen, keine wunden Stellen.
Socken: zuerst CEP wadenhoch, in Encumeada Wechsel auf knöchelkurz
Rucksack Salomon S-Lab Adv3 12 Liter, altbewährt
CEP Compression Shorts mit Übershorts von Gore Running Wear
Trikot von Compresssports (Schrottreißverschluss!), Unterhemd von Falke
Stöcke Leki Micro Trail Pro, ich mag die feste Verbindung der Hände mit den Griffen, allerdings fand ich die erste Version des Trigger-Shark-Systems besser als die jetzige zweite.
Käppi von Buff, nichts fürs Auge, aber leicht und kühlend
Kontaktlinsen Dailies AquaComfort Plus, haben tadellos über mehr als 24 Stunden gehalten – darum hatte ich mir vorher ein paar Sorgen gemacht.
Stirnlampe Lupine Piko, Akku im Rucksack, nicht am Kopf
Uhr Suunto Ambit3 Peak, unterwegs nachgeladen mit dem Akku der Stirnlampe
Eigenverpflegung: Mulebar Hydro Gels, Clifbars 

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